Wie ich meine Angst überwunden habe

Wie ich meine Angst überwunden habe

Wie ich meine Angst überwunden habe 1920 1280 Madlen

Vor ungefähr zwei Monaten erreichte uns eine E-Mail, von der wir völlig überrascht waren. Die Kurzfassung: „Hallo, wollt ihr beim Travelslam in Bochum sprechen?“ Wir dann so: „Whaaaaat? WIR? Ja sicher!“

Geil, die Freude war riiiiesig, wir waren sofort total aufgeregt und glücklich zugleich. Das uns mal freiwillig (auch noch fremde) Leute zuhören wollen, wie wir reisen. Irre! 😀

Ok. Der Termin rückt nun immer näher (genau eine Woche noch!) und nun passierte was passieren musst: Mein alter Freund klopfte wieder an die Tür. Meine Angst.

Wie ich mit meiner Angst lebe

Angst zu haben ist ganz normal. Wir alle haben sie. Wir haben Angst vor einem Verkehrsunfall, Angst eine falsche Entscheidung zu treffen oder auch manchmal nur Angst das Essen zu versalzen. Es ist vielfältig, aber manchmal überlebenswichtig. Es ist ein eingebautes Warnsystem. Meistens.

Aber manchmal haben wir im Lauf der Jahre Ängste entwickelt, die uns hemmen oder vielleicht sogar krank machen. Wer in ständiger Angst vor irrationalen Dingen lebt, wird auf Dauer nicht mehr er/sie selbst sein.

Eine meiner irrationalsten Ängste ist: Vor Menschen reden. Wenn mehr als ein Augenpaar auf mich gerichtet ist wird es schon unangenehm. Vor allem in meinem Job ein Problem. Ich muss Präsentationen halten, kompetent und sicher sein. Unsere Kunden müssen ein Gefühl von Sicherheit bekommen. Ironisch oder?

Ähhh Entschuldigung, wo geht’s hier bitte zum Schneckenhaus?

Schon allein der Gedanke daran löst in mir eine kleine Panikattacke aus. Ich spüre mein Herz schneller schlagen, mein Atem wird hektischer und fast unkontrollierbar, ich muss ständig schlucken. Meine Hände und Achseln schwitzen wie verrückt. Ich kann kaum klar denken und hab das Gefühl alles was ich sagen werde, wird völliger Blödsinn sein. Das meine Stimme sich eine quäkendes Etwas verwandelt ist da noch das geringste Problem.

Aber warum ist das überhaupt so? Sind irgendwelche Erfahrungen aus meiner Kindheit schuld daran? Wenn es nicht so wäre, stünden viele Psychiater auf der Straße. In der Vergangenheit zu stochern muss also richtig sein! Ok eine Bestandsaufnahme also. Mal sehen. Als Kind war ich schon sehr schüchtern. Mit fremden Kindern spielen? Niemals! Alleine ein Eis kaufen? Auf keinen Fall!

Im Kindergarten musste ich mal vor meiner Gruppe beschreiben wo ich wohne. Meine Wegbeschreibung musste sehr unterhaltsam gewesen sein, denn die gesamte Gruppe brach in schallendes Gelächter aus. Andere Kinder hätten jetzt wohl mitgelacht. Ich fing aber lieber an zu heulen. Mein erstes Trauma als 5-jährige.

In der Schule wurde es nicht besser. Sobald vor der Klasse ein Projekt vorgestellt werden musste war ich weg. Ich erfand Ausreden, dass die Unterlagen wohl weggekommen sind. Kann man nix machen! Tja so bekam ich entweder eine schlechte Note oder ich musste trotzdem vor’s 30-köpfige Schiedsgericht treten und mir eine mittelmäßige Note erstottern. Yay.

Ich war also schon immer das Gegenteil von Rampensau.

War ich also schon immer so?

Haben meine Eltern mir diese Angst in die Wiege gelegt? Vielleicht.

Oder liegt es an der Überfürsorge meiner Ur-Oma, die mir ständig Angst machte mit ihren Horror-Geschichten von entführten Kindern und verunglückten Schulbussen? Sie wollte mich damit schützen, aber ist am Ende ihre Angst zu meiner geworden? Vielleicht.

Ich werde den Grund wohl nie erfahren. Dafür müsste jemand das Zeitreisen endlich mal erfinden oder unseren Geist entschlüsseln.

Um ehrlich zu sein ist es mir inzwischen auch egal. Lange Jahre habe ich darüber gegrübelt. Über vieles aus meiner Vergangenheit. Was ich hätte besser machen können, was ich alles nicht gemacht habe. Ich rief mir bestimmte Situationen immer wieder ins Gedächtnis, nicht sicher ob sie überhaupt noch stimmten. Ist ja alles schon ewig her.

Bis mir klar wurde: „Scheiße nochmal! Es macht mich noch völlig verrückt irgendwelche Erinnerungen zu wälzen. Es ändert nichts. Es ist eine Sackgasse.“

Es war einer der wenigen klaren Momente in meinem Leben.

Der Weg heraus aus der Angst

Seitdem ich meine Unzulänglichkeiten nicht mehr hinterfrage, sie hinnehme, hat sich etwas verändert. Anstatt meine Angst mit noch mehr negativen Gedanken zu füttern, lasse ich sie schlichtweg verhungern. Ich lasse sie kurz zu und dann…. ganz schnell weiterziehen.

Als Bild benutze ich dann gerne Autos die sich an einer Ampel stauen. Ich beobachte die Fahrer, jeder davon ist ein Stückchen Angst. Sobald die Ampel aber auf Grün schaltet fahren sie alle einfach davon. Tschüß ihr Loser!

Zugegeben hat es Jahre gedauert, alles etwas entspannter zu sehen. Wir hängen doch sehr gerne unseren alten Denkmustern an. Wir fühlen uns sicher mit ihnen, weil sie für uns mal funktioniert haben. Aber mit etwas Übung kann man vieles aus einer neuen Perspektive betrachten.

Mir haben dabei Yoga, Meditieren, Atemübungen und auch der Buddhismus geholfen. Podcast und Bücher, die sich mit den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität beschäftigen, waren meine Wegweiser durch den Irrgarten meines Verstandes.

Ich muss viele Übungen regelmäßig wiederholen, denn die Angst meldet sich immer mal wieder zurück. Aber ich bin jetzt darauf vorbereitet und weiß was zu tun ist.

Travelslam, wir kommen!

Ich rede immer noch nicht gerne vor Menschen, aber es macht mir nicht mehr so eine höllische Angst. Ich kann trotz großer Nervosität noch vollständige Sätze formulieren und bin nach einer Präsentation nicht mehr krank. Ich werde auch jedes mal ein bisschen besser, sicherer und manchmal hab ich sogar Spaß daran.

Deswegen, weil ich nicht mehr an meiner Angst festhalte, haben wir auch sofort zugesagt als wir gefragt wurden, ob wir am Travelslam teilnehmen möchten. Ohne darüber nachzudenken. Unser Bauch hat sofort entschieden und ganz laut „Jaaaaaaa!“ geschriehen.

Ok, dass dort 150 Menschen sitzen werden, dass es dafür kein Geld gibt, dass haben wir erst später erfahren. Aber hey, wir reden über etwas wunderbares! Über das Reisen! Über unsere Hochzeitsreise nach Bali! Über unsere Glücksmomente, unsere schlechten Erfahren und über eine der freundlichsten Menschen der Welt.

Und ich bin nicht allein. Ben und ich machen dass zusammen. Was soll also schon passieren? Wenn dieses mal jemand lacht, dann lache ich einfach mit.

Madlen

Ich bin 32 Jahre alt, lebe und arbeite in Dortmund. Ben und ich versuchen so oft es geht die Welt zu entdecken und euch an all den schönen Orten teilhaben zu lassen.

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2 Kommentare
  • Ich habe gerade ein paar Male meinen Text durchgesprochen wegen des Zeitlimits und bin auch schon voll fertig…. 😅🙈 OBWOHL ich eigentlich eine Rampensau bin…. Vielleicht ist es dieser Kick, den man nach einem Auftritt hat, wenn er gut gelaufen ist? Ich weiß es nicht…. Ich weiß nur: je schlimmer es vorher ist, desto unfassbarer fühlt man sich hinterher! Ich wünsche dir von Herzen, dass es dir am Donnerstag auch so geht! Ich bin mir absolut sicher, dass Ihr zwei das Ding total rocken werdet! Auf jeden Fall stoßen wir hinterher an, darauf, dass die Angst nicht gewonnen hat, oder was meint Ihr? 🤗😊

    • Hey Miri!
      Angestoßen wird auf jeden Fall! Am besten auch schon vorher 😅Wir freuen uns auf diese „Mutprobe“, auch wenn sich unter die Freude immer noch ein leichtes Herzrasen mischt. Aber ich denke auch, wenn man immer nur das macht was man schon kann/sich sicher fühlt, lernt man sich selbst ja eigentlich nicht richtig kennen.

      Bis Donnerstag 😍

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