Bergwandern auf Korsika: Lac de Melo

Bergwandern auf Korsika: Lac de Melo

Bergwandern auf Korsika: Lac de Melo 1920 1280 Madlen

Unsere Rundreise über Korsika hielt einige schöne Touren für uns bereit, aber diese hier sollte uns fast an unsere Grenzen bringen.

Die serpentinenreiche Hinfahrt, die sich auch noch ewig hinzog, war schon völlig irre und war, zumindest für mich, schlimmer als eine Achterbahnfahrt ohne anschnallen. Ben manövrierte unseren kleinen roten Fiat 500 durch die enge, kurvige Straße. Links der Abgrund. Rechts, riesige Felsen die aussahen wie lose Zähne. Ben schaute überall hin, nur nicht auf die Straße: „Schau doch mal! Wie unglaublich das alles aussieht!“ – Nein! Wenigstens einer von uns musste doch auf die Straße schauen! Als Beifahrer fühlte ich mich verpflichtet im Falle eines Unfalls wenigstens vorher kurz zu „AAAAACHTUNG!“ schreien

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Dass musst du vorher wissen

Fakten, Infos und persönliche Tipps

Wo ist der Lac de Melo überhaupt?

LAGE DES LAC DE MELO

Der Lac de Melo liegt auf 1700 Höhenmetern im Restonica-Tal, dieses wiederum liegt im zentralen Bergland von Korsika (vermutlich der höchste Punkt auf dem wir bisher waren! Yay!).

Wenn das studentische Corte auf deiner Reiseroute liegt, solltest du dir diese Wanderung nicht entgehen lassen. Von Corte aus, gelangt man in einer knappen halben Stunde zum Startpunkt der Wanderung. Die Straße ist serpentinenreich und eng. Tipp für Angsthasen wie mich: Am besten früh hin, dann fahren nämlich alle „hin“, es gibt also fast keinen Gegenverkehr.

Anfahrt & Parken

Viele Wege führen nach Rom, zum Lac de Melo gibt es nur einen. Von Corte fährst du die D623 bis zum bitteren Ende, dort befindest du dich an der Bergerie de Grotelle, der Startpunkt der Wanderung. Komm am besten früh, sonst wird es eng mit Parkplätzen. Gekostet haben diese, im Oktober zumindest, nichts. Im Sommer werden aber wohl 6€ fällig. Alternativ kann man von Corte aus auch mit einem Bus fahren.

Hinweis: Das Parken in den Buchten ist streng verboten, diese werden für Ausweichmanöver benötigt.

Die Strecke im Überblick

Schwere Wanderung

Aufgrund der alpinen Wanderwege ordnen wir diese Wanderung als eher schwer ein. Ausdauer und Trittsicherheit solltest du für diese Wanderung mitbringen. Höhe ist hier kein Problem, die steilen Anstiege führen durch grünes Dickicht, an Kanten läuft man nicht entlang.

Wir haben für die gesamte Wanderung, inkl. Pausen ca. 5 Stunden benötigt. Die reine Wanderzeit betrug knapp 1,5 Stunden.

Wenn du mehr willst: Vom Lac de Melo kannst du auch noch weiter wandern, zum Lac de Capitello. Der Aufstieg dauert eine weitere Stunde.

Unbedingt einpacken

Die Wanderung zum Lac de Melo ist kein Spaziergang! Du musst teilweise klettern und kraxeln, was auf Dauer anstrengend wird. Sei daher bitte gut vorbereitet.

Wasser- und rutschfeste Wanderschuhe

Stellenweise musst du durch kleine Bachläufe und über feuchte rutschige Steine laufen.

Regenjacke

Für alle Fälle! Das Wetter kann in den Bergen schnell wechseln.

Sonnencreme

Die Sonne ist „hier oben“ etwas stärker.

Viel Wasser & Proviant

Es gibt nur wenige Einkehrmöglichkeiten, dazu ist das Wasser dort extrem teuer.

Die Wanderung

„Kann ja nicht so schwer werden…“

Here we go!

Da waren wir nun. Die schreckliche Serpentinenfahrt hinter uns, parkten wir direkt vor einer kleinen Berghütte, zwischen hundert anderen Fahrzeugen. Der Geruch von Ziegen sprang uns in die Nasen und einen Augenblick später sahen wir die zotteligen Stinker schon. „Naaa hallo! Ähh, bonjour meine ich natürlich!“. „Määäääh!“ – Ihr würdet euch auch mit Ziegen aus anderen Ländern unterhalten können, ging es mir kurz durch den Kopf. Warum haben Menschen eigentlich so unnötige viele Sprachen?

So. Jetzt mussten wir die ganze Pracht erst einmal erfassen vor der wir hier gerade standen. Unsere Köpfe drehten sich von links nach rechts.

Ein klarer Bach, grüne Wiesen, das Bimmeln von Viehglocken und dicke Hummeln schwirrten durch die Luft. Um uns herum: karge, schneebedeckte Bergspitzen deren tatsächliche Höhe man keineswegs einschätzen konnte.

Wir besorgten uns einen Cappuccino im Pappbecher in der fast fensterlosen Bergerie de Grotelle. Ein älterer Gast trällerte lautstark eine Ode, sein Kumpel fiel mit ein und die Ehefrauen applaudierten. Die Besitzerin schien ziemlich genervt und verschwand schnell in der Küche. Wir tranken grinsend aus und brachen auf.

Etappe 1: Von Kühen und Fladen

Die ersten hundert Meter spazierten wir über gelben Sand und grünen Waldboden, ab und zu mal ein hüfthoher, runder Felsen den man ausweichen oder drüber kraxeln konnte. Der Blick in alle Richtungen: herrlich! Vor uns lag der Berg, hinter uns das Tal. Ab uns zu durchquerten wir einen kleinen Bachlauf. Riesige Bäume, mit dicken alten Stämmen säumten den Weg.

Wanderung Lac Melau Korsika

Nach einer halben Stunde gelangten wir zur Bergerie de Melo, die im Sommer ein paar Snacks bereithält. Jetzt, im Oktober, war nichts zu sehen. Nur einer müder Esel blinzelte um die Ecke der Hütte.

Ein „Naturklo“ für vollgelaufene Blasen gibt es hier auch. Dieses muss man sich scheinbar mit Kühen und Eseln teilen, denn die Pinkelstelle ist übersät mit tierischen Fladen.

Einige Meter später fanden wir die Erzeuger der gigantischen Stinkbomben. Kühe! Gemütlich lagen sie in der Sonne, schleckten sich gegenseitig die Ohren und freuten sich über die Streicheleinheiten, die Ben großzügig verteilte.

Unterhalb der Weide befindet sich ein kleiner Badegumpen. Wir wären gerne einmal reingehopst, aber dann hätten wir den anderen Wanderern unsere nackte Pracht zeigen müssen. Auch wenn die Franzosen sicher nichts dagegen gehabt hätten, wollten wir Sitte und Anstand lieber wahren und schritten mutig weiter Richtung Berg.

Wandern im Restonica-Tal Lac de Melo

Das Plateau, auf dem wir uns befanden, war voller duftender und pieksender Gewächse. Wir merkten, dass wir die Abzweigung verpasst hatten und überlegten ob wir umkehren sollten. Der Weg der von hier aus den Berg hoch führte, sah steil und völlig überfüllt aus. Wir fragten ein französisches Paar, welches uns entgegenkam, welcher Weg denn wohl der bessere wäre. „Nun. Beide sind anstrengend. Ihr habt die Wahl zwischen sehr steil und flach und rutschig.“ Mhhhmmmhh, ok. Uns dämmerte, dass das hier kein gemütlicher Spaziergang werden würde.

Nicht verpassen: Die Weggabelung

Nach der Bergerie de Melo teilt sich der Weg, die Gabelung ist allerdings nicht beschildert. Beide Wege führen aber zum Ziel.

1. Rechts: für sehr sportliche Wanderer: Du kletterst u.a. über Seile und Leitern nach oben/unten, musst teilweise über glatte Steine laufen und viel kraxeln. Klettererfahrung ist sicherlich von Vorteil, aber man kommt auch so hoch/runter. Kinder müssen jedoch über 1,20 m sein um die Route bewältigen zu können.
2. Links: Du kraxelst die 300 Höhenmeter permanent über große und teilweise wackelige Steine. Trittsicherheit und Ausdauer sind hier gefragt.

Lac de Melu / Lac de Melo

“In der Natur fühlen wir uns so wohl, weil sie kein Urteil über uns hat.”

-Friedrich Nietzsche-

Etappe 2: Schritt für Schritt zum Gipfelglück

„Oh man ey, HIER sollen wir jetzt hoch?“. Ich konnte es nicht fassen, aber umkehren war keine Option.

Zu Beginn hatten wir noch richtig Spaß über die vielen großen und kleinen Felsen zu kraxeln, aber die Freude verflog recht schnell. Wir waren spät dran für einen Aufstieg, dadurch strömten uns viele Menschen entgegen die sich auf den Nachhauseweg machten. Oft mussten wir den Gegenverkehr abwarten oder uns kompliziert aneinander vorbeischieben.

Wir trafen Wanderer, die die Tour noch mehr unterschätzt hatten als wir. Ältere Leute in offenen Sommerschuhen und dem kleinen Fiffi auf dem Arm! Sie hatten ziemlich zu kämpfen. Man muss aber auch dazu sagen, dass nirgendwo auf den Schwierigkeitsgrad der Wanderung hingewiesen wird. Deswegen machen wir das jetzt: Die Wanderung ist anstrengend und schwierig! Bitte zieht unbedingt Wanderschuhe an 😀

Quelle im Restonica Tal auf Korsika

Etappe 3: Wir sind oben!

Wir standen endlich vor dem Lac de Melo. Fix und fertig, durchgeschwitzt, aber froh es geschafft zu haben, es überlebt zu haben! Schon als Kind kam mir einfach alles im Leben gefährlich vor, dass ich mal freiwillig auf hohe Berge wandere hätte ich vor wenigen Jahren noch für unmöglich gehalten. (Und eigentlich auch, dass ich mal einen Reiseblog haben werde.)

3 Stunden haben wir bis hier oben gebraucht. Also insgesamt, von der ersten Hütte bis zum „Gipfel“. Moosbedeckte Felsen und wenige Sträucher bildeten einen grünen Kranz um den See.

Wir waren fast alleine, was sicher auch an der fortgeschrittenen Uhrzeit lag. Es meldete sich ein kleiner Hunger! Wir aßen alles auf was wir dabei hatten, schließlich musste unser Körper die letzte Stunden ziemlich schuften. Wortlos genoßen wir die Szenerie in der wir uns gerade befanden. Ben flog ein paar Runden mit der Drohne, ich knipste den See, Ben, Steine, Blumen und eine zurückgelassene Bananenschale.

Wanderung zum Lac de Melo

Neben uns waren noch drei weitere Leute, die die Zeit nutzten um Bilder, hauptsächlich von sich selbst, zu schießen. Wir beobachteten das Fotoshooting und merkten gar nicht wie sich innerhalb weniger Minuten der gesamte Himmel komplett zuzog. Und dann: Donner!

Rückzug!

Wir sammelt uns und unseren Krimskrams ein und überlegten kurz welchen Weg wir zurück laufen wollten. „Auf keinen Fall den gleich Weg!“ Die Sache war schnell geklärt und so nahmen wir den „sportlichen“ Rückweg.

Etappe 4: Nach unten führt auch ein Weg

Der „sportliche“ Abstieg machte uns erst ein wenig bedenken. Ein Wort was uns nicht gerade beschrieb, aber was sollte schon passieren hofften wir still für uns. Die erste Leiter krochen wir in Zeitlupe hinunter. Das Metall feucht und rutschig. Die zweite war schon viel einfacher und schneller genommen. Ach und die Ketten zum Abseilen – easypeasy. Es machte auf einmal richtig Spaß.

Das Grollen wurde immer lauter, die Wolken immer dicker und wir legten einen Zahn zu! Ein Gewitter auf einem knapp 2000 Meter hohen Berg wollten wir nicht unbedingt miterleben. Die 300 Höhenmeter hatten wir ratzifatzi hinter uns und schneller als gedacht kamen wir wieder an der Weide mit den gemütlichen Kühen vorbei, an den dicken alten Bäumen und den plätschernden Bächen. Und schon standen wir wieder an der Berghütte. Wir blickten ein letztes Mal zurück und staunten wieder über die Schönheit dieser Insel.

Restonica Tal auf Korsika

Madlen

Ich bin 32 Jahre alt, lebe und arbeite in Dortmund. Ben und ich versuchen so oft es geht die Welt zu entdecken und euch an all den schönen Orten teilhaben zu lassen.

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