Wer nach Portugal reist, der tut dies in erster Linie um sich an der rund 600 Kilometer langen Küste in der Sonne braten zu lassen oder in einer der vielen Surfschulen das Wellenreiten zu lernen. Auch die Städte Lissabon und Porto sind natürlich beliebte Ziele für viele Touristen. Dabei lassen die meisten Reisenden aber den beeindruckenden Nationalpark Peneda-Gerês links liegen, oder wissen gar nichts von den beeindruckenden Landschaften und der unberührten Natur, die sie im Norden Portugals erwartet.

Das wollen wir ändern! Wir haben dir unsere Highlights und Tipps für den Nationalpark Peneda-Gerês zusammengestellt.

Lage des Nationalparks Peneda-Gerês

An der nördlichen Grenze zum großen Nachbarn Spanien liegt Portugals einziger Nationalpark Peneda-Gerês. Der Park ist rund 70.000 Hektar groß und voller Berge. Der höchste Gipfel ist der des Nevosa mit einer Höhe von 1.545 Metern.

Von Porto aus erreicht man mit dem Auto in rund einer Stunde die große Talsperre Caniçada zwischen Rio Caldo und Cova. Und damit das südliche Ende des hufeisenförmigen Nationalparks. Hier ist einer der vielen Eingänge in den kostenlosen Park. Weitere Eingänge befinden sich in Lamas de Mouro, Mezio, Entre ambos-Rioss, Fafião, Paradela oder Sezelhe.

Was bietet der Nationalpark

1. Wandern

Vor allem bei den Einheimischen des Landes erfreuen sich die Wandertouren im Peneda-Gerês wachsender Beliebtheit. Aber auch immer mehr Touristen – wie wir – entdecken die verschlungenen Wanderrouten in den Bergen und Tälern von Peneda-Gerês.

Dabei wanderten wir teilweise über Jahrtausende alte Wege. Historische Römerstraßen durchziehen den Nationalpark und sind an den Meilenesteinen, Steinwände und Brücken bis heute gut erkennbar! Gleich hinter dem Campingplatz, auf dem wir für vier Tage lang unser Zelt aufgeschlagen haben, verlief eine der Römerstraßen entlang des Rio Homem.

Römerstraße im Nationalpark Peneda Geres
Hier wandern wir auf der historischen Römerstraße Via Nova XVII (Geira)

Das portugiesische Institut für die Erhaltung der Natur und der Wälder hat im Gebiet des Nationalparks 40 offizielle Wanderrouten festgelegt. Informations- und Kartenmaterial bekommst du an allen Eingängen zum Nationalpark.

Für unsere Touren, haben wir uns aber entweder auf eigene Faust auf den Weg gemacht und die Umgebung des Camps (es lag mitten im Nationalpark) erkundet, oder sind beschilderten Pfaden gefolgt. Für größere Rundwanderungen haben wir in dem folgenden Wanderführer schöne Routen gefunden.


Unser Buchtipp


Zur Vorbereitung unserer Wanderungen haben wir uns den Wanderführer Portugal Nord: Die schönsten Wanderungen zwischen Estrela und Minho von Rother Wanderführer gekauft. Darin findet ihr 50 Wandertouren, von denen viele im Gebiet des Nationalparks liegen. Die Touren könnt ihr nach dem Kauf auch aufs Smartphone und GPS-Gerät herunterladen. Praktisch! Der Wanderführer kostet rund 15€ und ist sein Geld allemal wert.

In unserer Zeit im Peneda-Gerês haben wir einige richtig schöne Wanderungen gemacht. Eine allerdings wird uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Warum, erzählen wir dir jetzt:

In dem Wanderführer findest du die Tour mit dem Namen „Der Weg der Bienstöcke“. Klingt interessant dachten wir. Als wir genau diese Tour machen wollten, hielt ich es für die beste Idee bereits den Weg zum Ausgangspunkt der Wanderung zu laufen. Wie sich herausstellen sollte waren die Wanderwege, die ich dazu in den Open Street Maps als Abkürzung rausgesucht hatte, total zugewuchert. Und je weiter wir kamen, desto weniger war von den Wegen übrig. Nach den ersten vier Kilometern und 250 Metern Höhenunterschied waren wir froh, die steilen Anstiege hinter uns gelassen zu haben und auf einer Hochebene mit toller Aussicht angekommen zu sein.

Wandern Peneda Geres
Die Wanderung zur Wanderung

Bis zum Ausgangspunkt der eigentlich geplanten Wanderung waren es immer noch rund anderthalb Kilometer Luftlinie. In kurzen Hosen ging es also weiter über eine Hochebene mit leichter Steigung. Aber statt Wanderwegen erwartete uns eine dichte und kniehohe Vegetation aus Stechginster. Dieser machte seinem Namen alle Ehre und kratzte uns nach und nach die Haut von den Unterschenkeln.

Das hier war unsere Tour

Die kleine „Schlaufe“ im östlichsten Teil der Route war die Wanderung die für diesen Tag geplant war 😀

Wir empfehlen dir diese Tour auf keinen Fall in dieser Form nachzumachen. Halte dich in unbekanntem Terrain immer an die ausgeschriebenen Routen, und betritt keine eingezäunten Grundstücke. Die Wanderung war aber trotz aller Anstrengungen eine tolle Erfahrung und eine gut Gelegenheit den Park von seiner ruhigen und einsamen Seite kennenzulernen Roadtrip durch Portugal.

2. Canyoning

Madlen hat schon auf Madeira eine Canyoning Tour gemacht und war begeistert. Und als wir online den Anbieter Oporto Adventure Tours aus Porto fanden, stand fest, dass wir in Peneda-Gerês an einer Canyoning-Tour teilnehmen werden. Und das solltest du auch unbedingt machen!

Die beiden Guides sind übrigens Mitglieder des erfolgreichsten professionellen Canyoning Teams aus Portugal. Beiden war vor, während und nach der gesamten Tour die Begeisterung für den Sport und die Liebe zur einzigartigen Landschaft und Natur des Nationalparks anzumerken. Durch das professionelle Equipment und die Guides fühlten wir uns während der gesamten Tour sehr sicher. Auch bei hohen Sprüngen ins Wasser und wenn wir hoch oben auf den riesigen Findlingen aus Granit herum kraxelten.

Canyoning im Peneda-Geres

Auf der Rückfahrt hat einer der Guides noch vorgeschlagen spontan auf einen der Gipfel im Peneda-Gerês hinaufzufahren um die Aussicht zu genießen. Alle Teilnehmer waren begeistert und schon 15 min. später standen wir hoch oben über dem Nationalpark und genoßen die spektakuläre Aussicht auf Berge, Täler, Flüsse und riesige Seen.

canyoning sprung peneda geres
Die teilweise sehr hohen Absprünge kosten beim ersten Versuch viel Überwindung
Canyoning Peneda Geres
Das Wasser in den Becken unterhalb der Wasserfälle ist aber deutlich Tiefer als es von oben scheint

Alles in Allem war die Tour ein unvergessliches Erlebnis und sicher eines der absoluten Highlights unserer Reise durch Portugal.

Unseren ausführlichen Bericht zur gesamten Tour findest Du hier.


Die Canyoning Tour umfasst:

  • Abholung und Rücktransport im Preis inbegriffen
  • Tagesfüllende Tour
  • Neues und hochwertiges Equipment
  • Professionelle Guides mit viel Geduld und Erfahrung
  • Die Guides machen während der gesamten viele Fotos von den Teilnehmern und stellen diese Später zum Download bereit
  • Du bist während der Tour über den Veranstalter versichert

Preis pro Person: Ab 75,- €

Auf der Website von Oporto Adventure Tours findest du alle weiteren Infos und Angebote.


3. Seen, Flüsse und natürliche Badebecken

Durch die große Zahl an Berg- und Stauseen, Flüssen und Bächen bietet der Park ein eizigartiges Klima und ist über das gesamte Jahr hinweg grün. Die sechs Flüsse die sich durch den gebirgigen Park winden, werden in sieben großen Talsperren zu Seen aufgestaut.

Die Vielen Flüsse haben sich zum Teil tief in die Felsen geschnitten. Häufig sind dadurch Wasserfälle entstanden. Einer der bekanntesten ist der Cascata do Arado. Bei unserer Canyoning Tour haben wir und von dem ca. 12 Meter hohen Wasserfall abgeseilt und konnten in dem natürlichen Pool, in den das Wasser stürzt eine erfrischende Pause einlegen. Das Wasser ist übrigens trinkbar, kristallklar und sehr kalt.

ausbick Peneda-Gerês
Ausblick von einem der Gipfel im Peneda-Gerês

In Seen und Flüssen darf gebadet werden! Und ich muss sagen, dass die Wassertemperatur der recht tiefen Stauseen im Sommer echt angenehm ist. Die Flüsse sind dagegen bitterkalt 🙂 Gleich in der Nähe unseres wunderschönen Camps im Nationalpark liegt der riesige Stausee Homem. Sein Zufluss, der Rio Homem mündet am nördlichen Ende in den See. Ein kleines Stück flussaufwärts findest du einsam gelegene natürliche Badebecken und kleine Wasserfälle.

Rio Homem Peneda Geres
Der Stausee in den der Rio Homem mündet liegt direkt hinter dem Campingplatz

4. Wilde Tiere

Der einzige Nationalpark Portugals dient vielen seltenen und bedrohten Tierarten als Rückzugsort. Es gibt hier Schlangen, Geckos, Eidechsen, wilde(!) Pferde, iberische Wölfe, Skorpione und und und.

Auf unseren Wanderungen sind wir natürlich auch einigen von ihnen begegnet! Vor allem waren die Begegnungen mit den einheimischen Schlangen beeindruckend und teilweise etwas beängstigend. Allerdings vorweg: Die hier anzutreffenden Schlangenarten sind zwar teils Giftig, aber nicht grundlos aggressiv und versuchen den Kontakt mit Menschen in jedem Fall zu vermeiden. Also besteht kein Grund zur Panik, wenn Du einem der beinlosen Reptilien begegnest.

Grad auf schmaleren Trampelpfaden solltest du unbedingt konzentriert und darauf gefasst sein, dass bei deinem nächsten Schritt eine kleine Schlange das Weite sucht, kurz bevor Du den Fuß aufsetzt. Ist uns drei oder vier mal passiert.

Im Park leben außerdem 70 Wildpferde. Wir konnten bei unseren Touren leider keine sichten, aber du solltest im Park einfach ein wenig Ausschau halten. Viele Reisende berichten, dass ihnen die wilden Pferde über den Weg geloppiert sind. Statt der Pferde haben wir auf einer langen Wanderung allerdings Bekanntschaft mit vielen der halbwilden Rinder gemacht. Diese etwas angsteinflößenden Tiere mit gewaltigen Hörnern ziehen in losen Herden über die Berge und durch die Täler.

Wir hörten es während unserer Wanderungen permanent links und rechts in den Sträuchern rascheln. Das waren allerdings die kleinen Eidechsen und Geckos, die wir beim Sonnenbaden störten.

Eidechse im Peneda Geres in Portugal
Diese Eidechse lässt sich grad einen neuen Schwanz wachsen.

5. Unterkünfte im Nationalpark Peneda-Gerês

Camping

⚠️ Wildes Campen im Peneda-Gerês ist – wie auch im gesamten Rest Portugals – streng verboten! ⚠️

Vor unserem Besuch im Peneda-Gerês hat uns das Team von Oporto Adventure Tours ein unglaublich schönes Camp in der Gemeinde Campo do Gerês empfohlen. Hier sind wir dann auch gleich von Port aus hingefahren und waren absolut begeistert. Im Camp Parque Cerdeira schlagt ihr entweder euer Zelt auf dem bewaldeten Campingplatz auf, oder mietet gleich eines der angebotenen Bungalows. Wohnmobile sind hier natürlich auch willkommen. Auf unserem zweiwöchigen Roadtrip durch das gesamte Land, war das der schönste Campingplatz auf dem wir waren!

Im Park Cerdeira findest du an der Rezeption reichlich Informationsmaterial zu Wanderungen und anderen Aktivitäten, die im Peneda-Gerês angeboten werden und die Mitarbeiter sind unglaublich freundlich und geduldig. Hier kannst du auch Mountainbikes ausleihen und einige Basics an Outdoorausrüstung kaufen.

Im Camp gibt es ein sehr schönes Restaurant mit Bar und einer großen Außenterrasse auf der wir Abends bei hervorragendem Wein Backgammon gespielt und die nächsten Aktivitäten im Nationalpark geplant haben. Hier steht dir auch ein kostenloses Wlan-Netzwerk zur Verfügung.

Die zentralen Sanitäranlagen sind nagelneu und sehr gut gepflegt. Ihr findet unter dem Restaurant außerdem einen kleinen Supermarkt, der trotz der abgeschiedenen Lage des Camps für recht humane Preise alles wesentliche anbietet. Hier bekommt man übrigens auch den köstlichen Honig aus Wildblütennektar, der direkt in der Nähe gewonnen wird. Unbedingt probieren!


Parque Cerdeira
Rua de Cerdeira, 400
Campo do Gerês
4840-030 Terras de Bouro
Braga, Portugal
http://www.parquecerdeira.com/en
Weitere Campingplätze innerhalb des Nationalparks
www.ermidagerescamping.com/
www.vidoeirogerescamping.com/

Hostels, Pensionen und Ferienwohnugnen

In jedem der kleinen Dörfer duch die wir im Peneda-Gerês kamen wurden viele Ferienwohnungen angeboten. Es kam uns so vor, als würde in jedem zweiten Haus eine der Wohnungen vermietet. Dabei sind die Preise absolut in Orndung und die Häuser bieten häufig eine atemberaubende Aussicht und moderne Austattung. Viele der Ferinwohnungen findest du übrigens auch bei Airbnb!

Bei booking.com findest du eine große zahl an günstigen Hostels, die in den Orten innerhalb des Nationalsparks liegen.


Fazit

Wir sind nach den nur vier Tagen im Nationalpark Peneda-Gerês absolut begeistert. Wenn du nach Porto reist oder irgendwo anders im Norden von Portugal unterwegs sein solltest, plane definitiv einen Besuch in dieser einzigartigen Region ein. Die Natur ist hier einfach überwältigend und der gesamte Park ist durchzogen von tollen Wanderwegen und kleinen gemütlichen Dörfern.

Wir haben für die kurze Zeit hier schon eine ganze Menge toller dinge erlebt, aber der Park hat noch unglaublich viel mehr zu bieten. So bietet zum Beispiel Oporto Adventure Tours neben Canyoning noch eine große Auswahl weiterer Aktivitäten im Peneda-Gerês an.

Mehr zu Portugal

Bei unserem Camping-Roadtrip durch dieses fantastische Land haben wir natürlich noch viel mehr spannende Dinge erlebt. Wir sind in Faro gelandet und haben in ungefähr zwei Wochen das gesamte Land von Süden nach Norden durchquert.

2 thoughts on “Portugals einziger Nationalpark – Peneda-Gerês

  • Anne

    Hey Ben! Cool, danke für den Beitrag. Ich wusste echt nicht, dass es in Portugal einen Nationalpark gibt, dabei war ich jetzt schon ein paar Mal dort. Find ich super!

    Antworten
    • Ben

      Hi Anne, wir waren absolut begeistert von dem Nationalpark! Für Deine nächste Reise nach Portugal, plane den Park im hohen Norden unbedingt ein 😉 Es lohnt sich.

      Antworten

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