Wandertipp: Auf den roten Klippen von Korsika • Calanche di Piana

Wandertipp: Auf den roten Klippen von Korsika • Calanche di Piana

Wandertipp: Auf den roten Klippen von Korsika • Calanche di Piana 1920 2880 Madlen

Der wohlklingende Name „Calanche di Piana“ bedeutet laut Google-Translate soviel wie „Garnelen-Sandwich“. Diese kühne Übersetzung hat vermutlich nichts mit der korrekten Bedeutung zu tun, passend ist es dennoch.
Die Felsen der Calanche leuchten im Licht des Sonnenuntergangs orangerot (und erinnern wirklich ein bisschen an Garnelen)!

Erfahre hier, was du vor deiner Wanderung zur Calanche di Piana alles wissen solltest, was du nicht vergessen darfst und erlebe den Tag durch unsere Augen.

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Das findest du hier

Infos & Tipps

Dass solltest du vorher wissen!

Wissenswertes

Die Tatsache, dass die Felsen hier eigenartige Formen aufweisen, verleitete einen französischen Schriftsteller ihnen Namen zu verleihen, wie z.B. Hundekopf, Schildkröte und Herz. Diese Verwitterungsformen nennt man Tafoni.

Die Calanche di Piana gehört zu den schönsten Wanderwegen Europas und ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes.

Wo liegt die Calanche?

Die Calanche Di Piana befindet sich an der Westküste, zwischen den Orten Porto und Piana.

Einen Besuch in Porto solltest du unbedingt auf deine Korsika-to-do-Liste schreiben, der Ort ist zwar sehr klein, aber fein. Von hier aus starten viele Wanderungen, Bootstouren und für Wildcamper mit dem Van oder WoMo gibt es hier einen tollen Stellplatz direkt am Meer.

Anfahrt & Parken

Von Porto aus nimmst die die D81 in Richtung Piana. Nach ca. 15 km und einer halben Stunde Fahrtzeit befindest du dich am Startpunkt der Wanderung.

Du hast zwei Möglichkeiten dein Auto zu parken:

1. Am Café „Les Roches Bleues“(Googlemaps). Davon würden wir aber eher abraten, da dort maximal 5 Autos stehen können. Wenn du nicht gerade ein früher Vogel bist brauchst du es gar nicht erst versuchen.

2. Am besten parkst du auf dem Picknickparkplatz, der sich etwa 1km vor der eigentlichen Wanderung befindet (Googlemaps). Dort können etwa 20 Autos parken. Im Oktober hatten wir keine Probleme ein freies Plätzchen zu finden, im Sommer wird es sicher schwieriger.

Beide Parkmöglichkeiten sind kostenlos.

Die Route

Mittelschwere Wanderung

Die Route ist einfach zu begehen und für jeden geeignet, Trittsicherheit und Ausdauer solltest du aber mitbringen. Der Weg führt zu Beginn kontinuierlich steil bergauf und geht ganz schön in die Beine.

Schwindelfreiheit wirst du hier an manchen Stellen auch benötigen, denn teilweise führt der Weg an nicht gesicherten Klippen entlang. Aber kein Grund zur Panik, es hält sich in Grenzen und die Wege sind recht breit.

Das letzte Stück führt durch einen wunderschönen grünen, dichten Wald. An einer beschilderten Weggabelung (im Wald) kannst du dich auch spontan dazu entscheiden einen längeren Weg zurück zu laufen.

Der gesamte Wanderweg ist gut durch gelbe Markierungen gekennzeichnet und teilweise auch beschildert.

Unbedingt einpacken

Unser Reisebericht

Von Ufos und Feuersalamandern

Seit Tagen regnet es. Alles war nass, inkl. unserer Schlafsäcke und Klamotten. Jeden Tag hofften wir auf besseres Wetter, die Vorhersagen waren hier, in Porto, ziemlich wertlos. Es änderte sich alle paar Stunden.

Heute hatten wir ein gutes Gefühl, der Himmel klar, die Sonne strahlte auf uns herab und wir waren voller Tatendrang. Den Vormittag verbrachten wir damit unsere Sachen zu trocknen und dann brachen wir auf zur ersten Wanderung, die wir auf Korsika machen sollten, zur Calanche di Piana!

Ben entdeckt die Schönheit von Korsika

„Uuunglaublich, wie das hier aussieht.“ Ben genoß zum ersten mal die Schönheit der Landschaft, meist war er zum Autofahren verdammt. Wir liefen gerade vom Parkplatz die Straße hinauf, irgendwo sollte der Wanderweg starten. Ungefähr 1 km noch sagte uns ein Wegweiser.

Hinter jeder Kurve, erwartete uns ein weiterer unfassbarer Ausblick auf das Meer, die roten Felsen und manchmal auch auf ausgebrannte Autos (davon gibt es hier leider erschreckend viele). Ben knipste, staunte und saugte alles in sich auf.

Autos kamen immer wieder um die Kurven gesaust und wir sprangen sicherheitshalber zur Seite, denn auch die Fahrer genoßen lieber die schöne Aussicht.

Ben blieb wieder stehen und er knipste, er filmte, er staunte. Mein Blick ging in die andere Richtung – nach oben zu den Felsen die über der Straße und uns hingen. Ein klitzekleiner Wasserfall kletterte die Wand hinunter, suchte sich seinen Weg durch kleine vertikale Täler und versickerte dann schließlich im Boden. Ich berührte die Stelle am Felsen, die nass glitzerte und staune über die Wärme des Wassers. Mein Blick fiel auf einen Ast, der an der Wand lehnte. „Ein Wanderstock!“ Er war von der Rinde befreit worden, die Äste sorgfältig abgeschnitten, eine perfekte Größe und Form. Der Vorbesitzer hatte sicher nichts dagegen wenn ich ihn mit auslieh.

Die Straße durch Calanche di Piana

Calanche di Piana

Die Straße zum Startpunkt der Wanderung

Aufstieg. Halbnackte Männer. Unwetter.

Das „Les Roches Bleues“ ist wahrlich ein Café am Rande der Welt. Mitten im Nirgendwo hängt es an einer Klippe und wartet darauf ausgezehrten Wanderern wieder Kraft zu schenken. Direkt gegenüber entdeckten wir einen kleinen Pfad in die Felsenwand, der Startpunkt der Wanderung.

In schmalen und steilen Serpentinen schlängelte sich der Weg, über große Runde Steine und Wurzeln, nach oben. Der Aufstieg war anstrengend, aber mein Wanderstock, mein drittes Bein, war mir eine große Hilfe und ließ meinen Schritt lang und geschmeidig werden. Ich fühlte mich ein wenig wie Gandalf der Weise, der gerade auf dem Weg nach Isengart ist.

Wir waren mal wieder spät dran, daher kamen uns wieder etliche Leute entgegen. Ängstliche Damen in rosa Joggern, fröhliche Kinder mit ihren Eltern und ein älterer Herr mit großem Bierbauch und offenem Hemd, der es sehr eilig hatte. Seine Schritte waren so groß, dass er vier „Stufen“ auf einmal nahm. Wir drückten uns an die Felswand, damit er sein Tempo halten konnte. Und schon war er verschwunden und ließ uns verwundert zurück.

Oben angekommen gab es wieder einen unglaublichen Ausblick, dieses mal in eine andere Richtung. Das Meer und der Himmel verschmolzen zu einem Blau. Ein traumhafter Anblick, er verkündete aber nichts Gutes: Die dunkelblauen Masse grollte, der Wind wurde schärfer. „Ich denke nicht dass das (Un-)Wetter hier herzieht.“ behauptete ich. Ben schaute kritisch auf’s Meer hinaus, überlegte und stimmte mir zu.

Wanderweg Calanche die Piana

Wanderweg Calanche die Piana

In einem der Felsen kann man einen Eselkopf erkennen!
Blick auf den Golf von Porto

Wanderweg Calanche die Piana

Es geht immer weiter hinauf

Ein Ufo-Sichtung

Wir liefen also weiter. Es ging noch immer bergauf, vorbei an steilen Abhängen und großen runden Steinen. Plötzlich fanden wir uns auf einem Plateau voller haushoher Felsen wieder. Die Formationen sahen aus wie Ufos, oval mit kleinen fensterförmigen Einbuchtungen. Dieser Ort strahlte etwas beunruhigendes aus, wie ein Dorf ohne Bewohner.

Wir umrundeten die tote Felsstadt. Ben schlug vor eine kurze Rast zu machen, der Hunger meldete sich langsam. Ich packte einen Früchtekuchen und zwei Äpfel aus. Mit vollen Mündern behielten wir das gespenstische Felsenmeer im Blick, als würde gleich Gollum persönlich aus einer der Höhlen zurück starren.

Ein feuchter Tropfen bildete sich auf meiner Jeans. Ungläubig schaute ich nach oben. Ein weiterer landete auf meiner Brille. Noch einer. Die Tropfen multiplizierten sich von Sekunde zu Sekunde. Wir packten so schnell es ging unser Essen ein und die Kameras weg, die wir eine Minute vorher extra ausgepackt hatten. Vor uns lag direkt ein dichter Nadelwald, der aussah, als könnte er den meisten Regen abhalten.

Ich zertrete fast einen Feuersalamander

Beim Betreten des Waldes veränderte sich die Stimmung wieder völlig. Der Waldboden war übersät von tausenden orangefarbenen Nadeln, der unsere Schritte geräuschlos machte. Wenige Meter hinter uns prasselte der Regen nieder, hier im Wald trafen uns nur ein paar Tropfen. Wir liefen den stummen Weg entlang, die Geräusche von außen wurden immer weniger und wieder fühlte ich mich etwas mulmig. Ich blickte kurz hinter uns, um sicher zu gehen das uns nichts und niemand folgte.

Links und rechts vom Weg waren eigensinnige Formen aus Ästen zusammengestellt, ich fühlte mich an den Film Blairwitch Project erinnert und war dafür, etwas schneller zu laufen.

Uns anzutreiben war nicht mehr nötig, denn plötzlich schüttete es wie aus Eimern. Ben und ich liefen so schnell wir konnten den Waldweg, der durch die Nässe immer rutschige wurde, entlang. Mit meinen etwas zu günstigen Wanderschuhen rutschte ich ständig aus und musste langsamer laufen. Der Abstieg begann und hatte sich in einen matschigen Bachlauf verwandelt. Höchst konzentriert schlängelten wir uns an den nassen Felsen entlang. Und da, auf einmal! „Schau mal! Ein Feuersalamander!“ Ein ziemlich großer gelbgefleckter Kerl lag da einfach so auf dem Weg, fast wär ich drauf getreten.

Cappuccino & Wein bitte!

Feuersalamander

Feuersalamander

Der Feuersalamander bewegte sich nicht, wahrscheinlich hoffte er wir würden ihn so nicht sehen. Noch nie hatten wir so ein Exemplar in der Natur gesehen. Überrascht darüber wie groß diese Tierchen doch sind, bestaunten wir ihn von allen Seiten. Die Haut glänzte wie flüßiges Öl und die gelben Flecken bildeten einen schönen Kontrast. Der kleine Kerl stolperte ungeschickt durch das Dickicht und verschwand.

Wir machten das gleiche und hofften bald das Café zu erreichen. Unsere Hosen waren schon völlig durchnässt, kalt war uns zum Glück noch nicht. Wir liefen weitere 20 Minuten und begegneten noch mehr Feuersalamandern, bis das ersehnte Café „Les Roches Bleues “ auftauchte.

Wir stürzten in das Café hinein, wo man uns mit mitleidigen Blicken empfing. Die nassen Jacken schüttelten wir halb im Café, halb draußen stehend aus, damit wir nicht alles nass machten. Die Kellnerin brachte uns zu einem schönen Platz, zündete eine Kerze für uns an und nahm unsere Bestellung auf: „Deux cappuccinos, s’il vous plaît!“

Ein kurzer Check der Wetter-App verriet uns, dass wir die nächsten Stunden hier erstmal nicht trocken wegkamen. Also richteten wir uns ein: Ich packte mein Reisetagebuch aus und fing an die letzten Tage nachzuholen. Ben holte seine Kamera heraus und prüfte die Aufnahmen der letzten Tage. Zwischendurch bestellten wir uns einen Weißwein, blickten immer wieder in die weißverschleierte Landschaft und waren zufrieden, dass der Tag so war wie er war.

Unser Fazit

Hafen von Porto auf Korsika

Trotz  unseres Wetterpechs(oder genau deswegen) war diese Wanderung der absolute Hammer. Die Landschaft und die Ausblicke sind unglaublich schön und die Tour macht extrem viel Spaß, da man auch etwas gefordert wird. Auch wenn diese Wanderung in aller Munde ist und dadurch viele Touristen anlockt, waren wir die meiste Zeit allein. Dass lag sicher an der Jahreszeit (Oktober) und das wir mal wieder zu spät los sind. Für uns war es ein perfekter Tag.

Madlen

Ich bin 32 Jahre alt, lebe und arbeite in Dortmund. Ben und ich versuchen so oft es geht die Welt zu entdecken und euch an all den schönen Orten teilhaben zu lassen.

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