Warum Stadttauben deine Hilfe brauchen!

Warum Stadttauben deine Hilfe brauchen!

Warum Stadttauben deine Hilfe brauchen! 1920 1280 Madlen

Vor ein paar Wochen bin ich auf Vivi aufmerksam geworden. Sie ist Dortmunder Tierschützerin. Wir besuchten sie kurzerhand und lernten ihre Schützlinge kennen. Sie hat mich beeindruckt.

Ein Thema lag ihr besonders am Herzen: Unsere Stadttauben. Sie zeigte uns Tiere die verstümmelt, schwer verletzt oder halb verhungert waren. Nach unserem Treffen lies mich das Thema Tauben nicht mehr los. Kein anderes Tier hat mit so vielen Vorurteilen zu kämpfen, die erwiesenermaßen nicht stimmen.

Es ist Zeit unsere Denkweise zu ändern und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

Anmerkung: Ein ausführlicher Bericht über Vivi und ihre Arbeit folgt noch! 

Tauben brauchen deine Hilfe

Tauben: Der Staatsfeind Nr. 1!

»Tauben füttern ist hier strengstens verboten!« Wer dagegen verstößt muss mit Ärger rechnen, oder zumindest mit einem schiefen Blick. Wenn es um das Thema Stadttauben geht, rümpfen die meisten Leute mit der Nase. »Ratten der Lüfte! Bwäh!« »Deren Kacke zerstört Fassaden und ist sowieso voller giftiger Bakterien!« »Füttern darf man die auf keinen Fall, dann wird alles noch schlimmer!«

Früher das »Rennpferd des kleinen Mannes«, werden sie heute als Ungeziefer abgestempelt. Ich habe dieses Stigma nie verstanden, für mich sind es einfach nur Stadtvögel wie Spatzen, Amseln oder Finken.

Und da ich Ungerechtigkeit einfach nur richtig kacke finde, wird es Zeit mit den vielen Irrtümern über unsere Stadttauben aufzuräumen.

Warum werden Tauben so dämonisiert?

Eine gute Frage. Aber wie so oft, waren wir es selbst. Es wurde uns irgendwann mal so beigebracht. Irgendjemand hat uns als Kind immer gesagt »Pass bloß auf, die sind voller Krankheiten!« Und Erwachsene haben aus Sicht eines Kinder ja immer recht. Also wachsen wir mit diesen Glaubensmustern auf. Wir hinterfragen sie zunächst nicht.

Sollten wir aber. Alles und immer. Sonst laufen wir Gefahr Dinge zu glauben die falsch sind, so wie in diesem Fall.

Woher kommen unsere Stadttauben überhaupt?

Wir Menschen haben sie gezüchtet. Schon vor Jahrtausenden fing es an, aber vielleicht kommst du sogar selbst aus einer Gegend wo es früher viele Taubenschläge gab. In meiner Nachbarschaft gab es unzählige. Damals und auch heute werden sie als Liebhabertiere und Sporttier gezüchtet.

Unsere Stadttauben sind im Grunde also herrenloser Haustiere, bzw. dessen Nachfahren.

Warum leben sie in unseren Städten und nicht in der Wildnis?

Sie kennen kein Leben in der Wildnis. Ihnen wurde über Jahrhunderte standorttreue angezüchtet. So bleiben sie also dort wo sie aufgewachsen sind. Dazu kommt, dass sie sog. Felsenbrüter sind. Dadurch sind sie auf die Gebäude der Stadt als Lebensraum angewiesen.

Tauben die in Bäumen nisten sind in der Regel tatsächlich Wildtauben (Ringel- oder Türkentauben), aber eher selten in Städten zu finden.

Wie geht es unseren Stadttauben?

Schlecht. Durch Fütterungsverbote in vielen Städten sind sie gezwungen unseren Müll zu fressen. Dadurch sind sie anfällig für Krankheiten. Dazu kommen natürlich auch noch die sogenannten „Abwehrmaßnahmen“. Tötungsaktionen, Vergrämung durch Klebefallen und Spikes nehmen den Tauben wichtigen Lebensraum und töten zudem auch andere Vögel. Dass diese Maßnahmen sogar gegen das Tierschutzgesetz verstößt interessiert scheinbar auch niemanden.

Vorurteil vs. Realität

Kommen wir nun zum wichtigsten Punkt: Den vielen Missverständnissen und Irrtümern mit denen Stadttauben zu kämpfen haben.

Falsch: Taubenkot ist gesundheitsgefährdend

Dieser Irrglaube hält sich hartnäckig. Jedoch weiß man schon länger das dies nicht stimmt:

Bereits 1989 erklärte der ehemalige Präsident des Bundesgesundheitsamtes, Prof. Dr. Dr. Großklaus: »Eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie durch Nutz- und Liebhabertiere.« Diese Aussage wurde 2001 durch das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin und 2011 durch Dr. Ludger Kamphausen, dem ehemaligen Leiter der Taubenklinik Essen, bestätigt.

Die Gefahr von Taubenkot zu erkranken ist also sehr gering. Aber von Kot (egal von welchem) solltest du dich grundsätzlich fern halten. Auch von deinem eigenem.

Warum Tauben deine Hilfe brauchen

Falsch: Tauben sind voller ansteckender Parasiten

Im Gefieder befinden sich tatsächlich Milben, Flöhe, Zecken und viele kleine Tierchen. Sie sind aber alle ungefährlich für den Menschen, da diese Parasiten wirtsspezifisch sind. Sie sind nicht „gefährlicher“ als andere wildlebende Tiere.

Du kannst Tauben also anfassen, wenn sie dich denn lassen.

Falsch: Taubenkot zerstört Gebäudefassaden

Auch hierzu gibt es Studien: Eine Untersuchung der TU Darmstadt Institut für Massivbau 2004 ergab, dass Taubenkot auf gängigen Baustoffen wie Sandstein, Granit, Travertin, Beton/Zementmörtel und Nadelholz keine Schäden verursacht.

Die Schäden werden nachweislich primär durch Luftschadstoffe und dem damit verbundene saure Regen verursacht. Zudem verursachen Klebefallen und Spikes, die zur Vergrämung genutzt werden, ebenfalls Schäden am Gemäuer.

Falsch: Füttern führt zu einer starken Vermehrung

Wie oben beschrieben sind unsere Stadttauben Haustiere, denen wir Menschen einige Dinge erst angezüchtet haben. Dazu gehört auch eine stark erhöhte Brutaktivität, die unabhängig vom Futterangebot ist. Stell sie dir vor wie ein Huhn in einer Legebatterie. Egal wie viel oder wenig sie fressen. Sie brüten so oder so.

80 bis 90 Prozent aller Taubenküken sterben jedoch noch im Nest. Das ist auf die schlechte Ernährung der Tiere zurückzuführen.

Wie sieht das derzeitige Taubenmanagement der Städte aus?

Von Dortmund will ich gar nicht reden. Zumindest gibt es hier einen kleinen Taubenschlag. Immerhin.

Andere Städte machen es da schon deutlich besser. Das Augsburger Modell ist ein Beispiel für ein gutes Taubenmanagement. Hier gibt es 12 Taubenhäuser, die ehrenamtlich betreut werden. Die Tauben werden gefüttert, so sind sie die meiste Zeit im Taubenschlag. Die Eier werden gegen Attrappen ausgetauscht, so bleibt die Vermehrung unter Kontrolle.

Eine Win-Win-Situation. Den Tieren geht es gut und sie stören keine Passanten.

Tauben kacken doch alles voll – Kann man das verhindern?

Ja.

Tauben die du in der Stadt an Pommesbuden oder Bäckereien lauern siehst, sind einfach nur sehr hungrig. Da viele Städte ein Fütterungsverbot verhängt haben, sind Tauben auf unseren Müll angewiesen und hinterlassen natürlich auch ihren Kot an Ort und Stelle.

Eigentlich sind Tauben sehr genügsam und sitzen am liebsten an einem warmen Ort. Sie brauchen nur Futter und ihren Partner, dann sind sie zufrieden.

Die Lösung wäre also: Genügend Taubenschläge und entsprechende Fütterung an jenem Ort. Der Kot bleibt im Taubenschlag und stört die Tauben selbst am wenigsten. Sie ziehen sogar ihre Jungen darin auf.

So kannst du helfen

Zunächst bin ich dir sehr dankbar, dass du bis hier gelesen hast. Danke!

Du hilfst, indem du dieses Thema in deinem Freundeskreis oder Familie besprichst. Viele haben Vorurteile im Kopf und machen sich wahrscheinlich auch keine Gedanke ob es richtig oder falsch ist. Dinge zu hinterfragen ist jedoch so so wichtig!

Du hilfst, wenn du aufhörst wegzuschauen. Sobald du ein leidendes Tier siehst, handel! Pack das Tier ein und bring es zum Tierschutz oder einer Wildtierstationen. Tierärzte sind in der Regel schlechte Ansprechpartner, da sie keine od. zu wenig Erfahrung mit Wildtieren haben.

Du hilfst, indem du deine Stadt auf Verbesserungen aufmerksam machst. Vielen ist es nicht klar, dass ihre Maßnahmen völlig sinnlos sind. Sinnvoll wären zum Beispiel betreute Taubenschläge und Fütterungen der Tauben. Erkundige dich aber am besten bei Taubenschützern vor Ort, welche Maßnahmen empfohlen werden. Auf Facebook gibt es tolle Gruppen zum Thema.

Eine Stadt ohne Tauben

Ich kann es mir unmöglich vorstellen. Sie gehören zu unserem Stadtbild und das ist auch gut so. Auf vielen Kinderfotos stehe ich in einer richtigen Heerschar von Tauben. Als Kind ein unbeschreibliches Erlebnis wilden Tieren so nah zu sein. Und auch heute schaue ich von meinem Arbeitsplatz gerne einem kleinen Taubenschwarm zu, der auf den gegenüberliegenden Dächern seine Kreise zieht. Diese freundlichen Tiere mit ihren kleinen Knopfaugen haben etwas besseres verdient, als das was es jetzt ist.

Was denkst du über das Thema?

Madlen

Ich bin Anfang 30, lebe und arbeite als Webdesignerin in Dortmund. Zusammen mit Ben erkunde ich die Welt, trotz Vollzeitjob.

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2 Kommentare
  • Danke für den tolken Artikel über Stadttauben und über Vivis Arbeit.

    In Dortmund gibt es ZWEI betreute Stadttaubenprojekte. Das zweite betreiben wir ehrenamtlich und genehmigt in einer Brückenunterführung in Dortmund Körne.

    Natürlich ist das viel zu wenig, die Betreuung muss flächendeckend erfolgen.

    Viele Grüße von Katrin

    • Hallo liebe Katrin,

      danke für deine/eure Arbeit als ehrenamtliche Taubenschützer! Ich bin froh das es Menschen gibt, die sich jenseits ihres eigenen Horizonts engagieren und die Welt für andere verbessern.
      Eure Facebook-Seite habe ich auch in die Linkliste aufgenommen, damit auch andere den Weg zu euch finden. 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Madlen